06/11/2018 - 10:43am      10:43

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DIE SCHLERNHEXEN


Andreas Vicinanza
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Sie sind ehrwürdige Wesen, Meisterinnen der Heilkunde, die sich auf den Bergen versammeln, um Tränke zu kochen und Unwetter auf die Menschen loszulassen. Unter ihren großen Hüten sind nur einige Strähnen silbernen Haares sichtbar; mit ihrer schwarzen Kleidung verschmelzen sie mit der Dunkelheit. Die Schlernhexen sind ein wichtiges Element der Volkstradition und nicht wenige Geschichten werden über sie erzählt. Außerdem sind sie als sympathische Puppen erhältlich.

In den Volkserzählungen sind die Schlernhexen mit dem schlechten Wetter verbunden. Ein wilder Sturm oder ein heftiges Unwetter deutete auf die Anwesenheit dieser Wesen hin, die mit ihren Besen über den Bergen flogen, um die Täler mit ihrem Gelächter einzuhüllen. Eines Tages erfuhr ein Zwerg, dass die Hexen ein weiteres Gewitter erzeugen wollten, und in letzter Sekunden konnte er die Bewohner der anliegenden Gebiete warnen.

Das „schwarze Schaf“ der Gruppe war die Hexe Martha. Ihr Aussehen schüchterte die Menschen ein, doch sie hatte ein Herz aus Gold und beschützte die Waldbewohner. Man erzählt sich weiterhin, dass sie die Kinder mit ihren Geschichten unterhielt und sich in ein Eichhörnchen verwandeln konnte. Eine weitere wichtige Figur ist der Hexenmeister Hans: Der Legende nach nahm er an verschiedenen Treffen der Hexen teil, wodurch er übermenschliche Kraft und besondere Fähigkeiten erhielt.

Auf dem Schlern befinden sich Steine, die mit ihrer Form an große Sessel erinnern. Sie werden auch Hexenbänke genannt, da die Hexen sich der Legende nach genau auf diesen Steinen hinsetzten und ihre Vorhaben besprachen; der schönste Sessel ist der mächtigsten Hexe vorbehalten. Auch heute noch ist es möglich, diese Gesteinsformationen zu bewundern, und verschiedene didaktische Parcours sind den Hexen gewidmet.

Laut einer weiteren Legende besaß einst eine Gruppe von wunderschönen jungen Frauen einen prächtigen Garten, noch schöner als der von König Laurin. Dieser war erzürnt darüber, dass dem Garten seiner Konkurrentinnen mehr Aufmerksamkeit zuteilwurde als seinem; er verunglimpfte diese Frauen als Hexen und verwandelte sie in Blumen, die im Volksmund als „Schlernhexen“ bekannt sind. Die Geschichte hat trotzdem ein gutes Ende: Nach einiger Zeit konnten die Frauen ihr ursprüngliches Aussehen wieder annehmen.

Diese Legenden, genauso wie die Figur der Hexen selbst, sind in der Volkskultur verwurzelt. In drei Ortschaften auf dem Schlern wird am 30. April die sogenannte „Hexennacht“ abgehalten. Die Bewohner verkleiden sich und ziehen durch die Straßen, verteilen Süßigkeiten an die Kinder und nehmen an traditionellen Tänzen teil.


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