05/17/2018 - 10:04am      10:04

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DER HEXENMEISTER, DIE NYMPHE UND DER REGENBOGEN


Andreas Vicinanza
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Tedesco

Im Frühling stehen Ausflüge in die Natur und Spaziergänge auf dem Programm. Unter den sehenswerten Orten befindet sich der Karersee im Eggental unweit von Bozen. Auf der Oberfläche des von Bäumen umgebenen Sees spiegelt sich der eindrucksvolle Latemar. Der See wird von unterirdischen Quellen versorgt und weckt das Interesse von Ansässigen und Gästen.

Im Winter drehen Taucher unter der Wasseroberfläche Dokumentarfilme. Viele Legenden ranken sich um diesen Ort; eine von ihnen ist besonders bekannt. Vor langer Zeit lebte im Karersee eine Undine – eine Nymphe – die hin und wieder den See verließ, um auf dessen Ufern zu singen. Ihr Gesang war wunderschön und verzauberte jeden, der ihn hörte. Unter den Menschen, die von der süßen Melodie angezogen wurden, befand sich jedoch auch der Hexenmeister des Latemar, welcher den Entschluss fasste, die Undine zu entführen. Seine Beweggründe ändern sich in den verschiedenen Versionen der Legende – einige Quellen behaupten, er hätte sich in die Nymphe verliebt, andere hingegen berichten, dass er sie loswerden wollte, um seinen eigenen Einfluss auszuweiten.

Mehrmals versuchte der Hexenmeister, die Undine zu überraschen und zu verschleppen, während sie sich an Land aufhielt. Jedes Mal entkam sie im letzten Augenblick in die Tiefen des Sees. Nach vielen Misserfolgen beschloss er, sich in einen Otter zu verwandeln, um ohne Verdacht zu erwecken näher an die Nymphe zu kommen. Auch diesmal waren seine Bemühungen zum Scheitern verurteilt: Die im Wald lebenden Vögel warnten die Undine, die so erneut entkommen konnte. Erzürnt, aber noch nicht endgültig geschlagen beschloss der Hexenmeister, sich auf der Suche nach Rat an die Hexe Langwerda zu wenden.

Die Hexe riet ihm, die Undine zu überlisten: Die Nymphe hatte noch nie einen Regenbogen gesehen. Wenn der Hexenmeister mit seinen Kräften einen Regenbogen erschuf, würde die Nymphe den See verlassen, um diese Schöpfung zu bestaunen. Langwerda riet dem Hexenmeister weiterhin, sich als Händler zu verkleiden und der nichtsahnenden Nymphe anzubieten, ihr alles über den Regenbogen zu erzählen. Dadurch würde der Hexenmeister sich ihr nähren und sie im geeigneten Augenblick entführen.

Voller Vorfreude – endlich würde er sein böses Vorhaben in die Tat umsetzen können – erschuf der Hexenmeister einen wunderschönen Regenbogen. Wie erwartet bestaunte die Undine das Werk des Hexenmeisters und dieser ging auf sie zu, doch etwas lief schief: Laut einigen Versionen der Legende hatte er in seiner Eile vergessen, sich zu verkleiden, in anderen erinnerte er sich an die Verkleidung, doch die Fische des Karersees warnten die Nymphe rechtzeitig vor der Gefahr. Wie sich diese Ereignisse genau zugetragen haben, ändert jedoch nichts am Ausgang der Situation: Die Undine konnte auch diesmal den Fängen des Hexenmeisters entwischen.

Wütend und beschämt zerriss der Hexenmeister den Regenbogen und warf ihn in den See. Aus diesem Grund leuchtet der Karersee auch heute noch in den Farben des Regenbogens. Der Hexenmeister zog sich in die Berge zurück und niemand weiß, was aus ihm wurde; um jedoch an die Undine zu erinnern, befindet sich am Ufer des Karersees eine Bronzestatue, welche dieses Geschöpf abbildet.

 


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