01/13/2018 - 3:15pm      15:15

Sie sind hier

FACHWISSEN DER ALTEN HANDWERKSKÜNSTE


Riccardo Vallettis Bild
Riccardo Valletti
0

173

0

8
Deutsch

Während Bertram Safferling sich eine neue Pfeife vorstellt, hält er ein kleines Stück Holz in den Händen. Er beobachtet es und lässt es durch die Finger leiten, bis ihm eine neue Idee für eine nächste wertvolle Kreation einleuchtet. Läden, Labors und Ateliers sind ein großes und verstecktes Vermögen im Bozner Altstadtzentrum, wo viele Straßennamen alte Berufe der Merkantilstadt hervorrufen und wo die Handwerker ihr vererbtes Fachwissen gegen die Massenproduktion verteidigen. „Das Holz stellt die Regeln auf. Man muss den Fladern nachkommen und deren Veranlagung folgen.“ erklärt der Pfeifenbauer und zieht zwischendurch an seiner Pfeife, gefüllt mit aromatischen Tabak. In seinem Atelier in der Gerbergasse realisiert, exponiert und verkauft er seine Kreationen: wie zum Beispiel die Pfeifen aus Baumheideholz, von dem er einen mehr als dreißig Jahren gealterten Vorrat aufbewahrt. Er hat sein Leben lang damit verbracht Pfeifen auszudenken, zu meißeln und abzuschleifen. Heute ist er ein weltweit bekannter Meister, der zwischen Chicago und China pendelt. In seiner Sammlung findet man einige Einzelstücke wie die drei schwarzen Pfeifen, die aus einem siebentausend Jahre altem Lärchenholz geschnitzt wurden und dessen Baum von einem Gewitter in der Nähe von Maria Weissenstein umgerissen wurde.

Nahe stehend befindet sich die Werkstatt von Martin Hilpold, Meister in Schuhmacherei und berühmter Modeschöpfer für Schuhwaren. Er ist sehr stolz auf seinem merkwürdigen Archiv. „Im Laufe der Zeit haben wir für mehr als zweitausendfünfhundert Füße männliche und weibliche Schuhe handgefertigt und im Archiv registriert,“ erzählt Hilpold. Wie das Holz für die Pfeifen, so das Leder für die Schuhe: es erfordert viel Beobachtung und Mühe, um das endgültige Ergebnis erreichen zu können. Zahlreiche Modelle sind in der Boutique der Wangergasse ausgestellt. „Mein Lieblingsmodell? Die Damenschnürschuhe.“ Weiterhin gibt es auch traditionelle Modelle mit Stickarbeiten aus Pfauenfedern. Hilpold hat seine Jugend in den Ateliers der hochbegabten Handwerker von Bozen verbracht und heute handfertigt er Schuhe für viele Berühmtheiten, die in seinem Atelier einen Fußabdruck hinterlassen und jetzt in seinem Archiv einen Platz gefunden haben.

Jenseits der Talfer entlang der Longonstraße, werden die Kunden von einem starken Ledergeruch im Laden Sir Arthur angelockt. Empfangen wird man im Reich der Designerin Patrizia Rossi mit all ihren Kreationen „rigoros von ihr selbst handgemacht“. Seit vierzig Jahren erfindet sie in ihrem kleinen Labor hinter der Theke immer neue Arten von Handtaschen, Koffern und jede Art von Accessoires verschiedener Modetrends. „Ich habe als junges Mädchen begonnen und mir alles selbst beigebracht“, erzählt sie und zeigt mit Stolz ihre hundert Skizzen, die sie in all den Jahren angehäuft hat. „Diese Handtaschen waren damals sehr erfolgreich“, erläutert sie mit einem ihrer Entwürfe in der Hand. „Jahrelang habe ich an diesem Modell gearbeitet, bis dann die Mode vergangen ist.” Aber früher oder später wird jede Modewelle von einer neuen ersetzt.

(Ins Deutsche übersetzt)


Gesponserte Anzeigen


Suchen

Search form


Das Letzte Aus


Neueste Tweets